Mittwoch, 14. September 2016

Grundnahrung

Das Folgende ist nicht leicht zu beschreiben.

Ich habe mich lange in anderen Kulturen umgesehen und mir angeguckt,was die Leute essen.
Wo sie es herbekommen,welche Qualität es in etwa haben könnte-ich war ja selbst nicht da-und unter welchen politischen und ökologischen Bedingungen sie es kriegen.Oder selbst produzieren müssen,wenn sie es überhaupt noch produzieren können.
In einigen Teilen Afrikas ist es wohl so:
Im Sahel,im sogenannten Äquatorial-Afrika, regnet es fast garnicht mehr.
Unvergesslich ist mir die Geschichte einer Mutter von 6 Kindern,die einst Rinder hatte und Mais zog auf ihrem eigenen kleinen Stück Land.
Inzwischen ist der Sahel so trocken,dass ihre Rinder verdurstet und verhungert sind und der Mais verdorrt auch.Auf dem trockenen Land wächst nichts mehr,bzw so wenig,dass auch Kühe davon nicht mehr leben können.
Was ist passiert?
Die Mutter muss Mais und Soja auf dem Markt kaufen,ohne die Einnahmequelle zu haben,die sie ja eigentlich ernähren sollte-und mal ernährt hat.
Um an etwas Geld zu kommen für das Essen,dass sie nicht mehr selbst produzieren kann,hat sie sich aufs Köhlern verlegt-sie produziert Briketts und verkauft sie auf dem Markt.
Für das Geld kauft sie Mais und Soja für ihre Kinder,aber für Gemüse reicht das nicht.
Wenn die Kinder denn überhaupt satt werden,was auch nicht mehr selbstverständlich ist,sind sie satt und trotzdem mangelernährt,weil die Vitamine fehlen.

Mais und Soja.

Wenn man sich mal umschaut haben die meisten fremden Kulturen ein Grundnahrungsmittel-ursprünglich.Bei den Asiaten war es mal der Reis,in Indien und Nordkorea ist es teilweise heute noch so.In Japan auch.

Reis

Über meine großen Vorbilder,die Amazonas-Indigenen,sage ich noch viel mehr in diesem "Koch-Buch".Aber diese Völker,habe ich beobachtet,haben auch zb den Maniok,mit dem ich mich mal eine Weile beschäftigt habe,bis mir klar war,wie super schwer der zuzubereiten ist.
Und dann habe ich die Finger davon gelassen.

Maniok


Ich finde,es ist in unseren Fast Food-Gesellschaften viel zu stark aus der Mode und in Vergessenheit geraten,wie ursprünglich und geradezu archaisch Essen ist.
Eigentlich gibt es Bäume,Pflanzen und Tiere,die die Basis für das alles zur Verfügung stellen.Und ursprünglich muss man die Bäume abernten,die Pflanzen aufsuchen oder anbauen und die Tiere jagen,fangen oder domestizieren, um an etwas zu essen zu kommen.Und fast immer spielt die, sogar in der modernen Gastronomie bekannte "Sättigungsbeilage" eine entscheidende Rolle.Reis,Mais,Soja,Maniok,Kartoffeln oder Rüben jeglicher Art sind Sattmacher für die meisten Völker,es sei denn,sie leben in Regionen,in denen nichts anzubauen ist.
Die Vollnahrung von Menschen,die im Eis leben, ist Walfleisch und Fisch und im Sommer ein paar Beeren,aber über Eskimos will ich jetzt hier nicht reden.

Kartoffeln und Rüben

Klingt vielleicht komisch,wenn ein krankenversicherter Deutscher im Jahre 2016 zu anderen und teilweise sehr alten Kulturen geht und ihnen beim Essen zuschaut.Obwohl er doch nur den nächsten Supermarkt braucht, um immer,zu jeder Jahreszeit, alles zu kriegen,was erwünscht,und zwar aus allen Teilen der Welt.
Ich hatte nur ein großes Problem: Ich habe einiges davon einfach nicht mehr vertragen.Und ich rede hier nicht über den neuesten Gluten-,Laktose-,Vegan-oder sonstigen Wahn,wie sie das zur Zeit alle tun.
Sondern über echte Krankheit.
Von den Ärzten kam keine Hilfe und in dem dauernden "Alles,jederzeit,von überallher" war die Suche nach den Auslösern eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Und als ich sie dann gefunden hatte,habe ich mich sehr lange gefragt,wie ich mich eigentlich selbst noch ernstnehmen soll.Ich lebe schließlich in einer demokratischen Gesellschaft,wo die Mehrheit zählt.
Und Kuhmilch und Getreide sind hierzulande dröhnend beworbene,an jeder Straßenecke erhältliche Grundnahrung.

Getreide

Das Problem,diese im Alltag zu ersetzen, hat zu diesem Kochbuch geführt.
Nicht, weil ich den -zig tausendsten,überflüssigen Ernährungberater in die Welt setzen will,den keiner braucht.Nicht den -zigsten Heilsbringer,mit dem  man schlank,schön und nie wieder krank wird (was ich niemandem glaube!),sondern, weil aus dem anders kochen ein anderes Leben entstanden ist.
Und das hat sehr viel mit anderen Kulturen,einer eigenen Nahrungpyramide,Grundnahrung und einer komplett veränderten Beziehung zur Natur zu tun.

Mir reichte es nicht,verträgliches Getreide und Pflanzendrinks aus dem Bio-Laden zu holen und damit die gleichen Fehler wieder zu machen.
Den Fehler meiner zu großen Teilen komplett entfremdeten Gesellschaft,in der Leute belächelt werden,wenn sie ausbrechen aus guten,gehobenen Jobs und sich einen Bauernhof kaufen.Weil sie es- wie ich- satt haben,in Plastik geschweisste Fließband-Nahrung zu essen,wo keiner mehr weiss,was drin ist und alle,aber vorallem aber die Kinder,den Kontakt zu der Erde verlieren,die sie ernährt.
Und die sie folglich auch nicht mehr achten
.Die EU allein wirft jährlich 450 Mio Tonnen essbare Nahrung in den Müll,aus den beklopptesten Gründen und sei es nur für die Preisstabilität.

Aber fremdes,optimiertes,eingeschweisstes Zeug für ein paar Cent aus dem Supermarkt, wirft man weg,wenn man es nicht (mehr) mag.Entweder ist es garnicht haltbar oder so unglaublich lange haltbar,dass einem-das Chemielabor vorm inneren Auge-himmelangst und bange wird.

In der Menschen nicht mehr wissen,dass Löwenzahn  nicht die Aufforderung der Erde ist,Herbizide zu erfinden,damit man etwas zu vergiften hat-und damit viel Geld verdienen kann.

In der das Wissen über Jahreszeiten,Wachstumsperioden,Verarbeitungsweisen und Konservierungsmethoden in weiten Teilen verloren gegangen ist.

In der viele Kinder keine echten Himbeeren mehr kennen , nicht wissen,wie echte Kartoffeln aussehen und wer die Milch produziert.
Eine Gesellschaft,in der eine überhitzte Pharma-,Lebensmittel-und Gen-Industrie ständig versucht,
Saaten und Sorten profitabel zu monopolisieren,Volks-und Erfahrungmedizin zu verteufeln und dem Umgang mit Heilpflanzen das Etikett einer gefährlichen,verantwortungslosen und von Quarksalbern betriebenen Esoterikspinnerei anzuheften
.
Nein.Erst habe ich anderen Völkern auf die Finger geschaut und dann bin ich in den Wald und die Felder gegangen und habe versucht zu lernen,wie man das umsetzt,was ich gehört habe.
Bahnbrechende Erkenntnis: Das geht!
In Deutschland 2016,Ohne Bauernhof.In einer Etagenwohnung.Stinknormal.Nur dass ich mir heute meine Arbeit selbst einteile und mehr Zeit habe,als normale Berufstätige.
Dieses Werk ist ganz bestimmt kein Vorwurf.

Was ich unterwegs fand